Stierkampf – ein grausames Ritual oder wertvolles Kulturgut?

Stierkampf Gedanken

Gastbeitrag von Anja

Sicherlich habt ihr schon von dem Ereignis am letzten Samstag in Madrid gehört: Nach mehreren Jahren wurde nun wieder ein Torero bei einem Stierkampf getötet. Der 29-jährige Matador Victor Barrio wurde in einem Moment der Unachtsamkeit von dem Stier zu Boden geworfen. Dabei durchbohrte der Stier namens Lorenzo mit seinen Hörnern das Herz des Mannes, der nach diversen Angaben anschließend bereits praktisch leblos ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Ihm konnte nicht mehr geholfen werden. Der Stier wurde anschließend sofort getötet und dieses Schicksal kommt wohl nun auch auf Lorenzos Mutter zu. Nach spanischer Tradition muss in einem solchen Fall nämlich die gesamte Blutlinie des Stieres ausgelöscht werden. Während die Ehefrau des jungen Matadors um ihren Mann trauert, gibt es im Netz bereits rege Diskussionen über das Thema. Für die einen bedeutet dieser Vorfall ein schrecklicher Unfall, für die anderen ist der junge Stierkämpfer selbst schuld.

Diese Geschehnisse am Samstag entfachen dementsprechend erneut die Kontroversen rund um den Stierkampf generell. Bei diesem Thema gehen die Meinungen bekannterweise weit auseinander und schon seit Jahrzehnten kämpfen viele Gegner für eine Abschaffung dieser Kämpfe. Daraufhin habe auch ich mich in den letzten Tagen vermehrt mit diesem Thema auseinandergesetzt, um mir auf diesem Weg eine Meinung bilden zu können. Was ich dabei herausfand hat mich entsetzt und schockiert zugleich. Aber lest selbst!

 

Die Vorbereitung der Stiere auf den großen Stierkampf

Kampfstier in einer Arena (Bildquelle: © David San Segundo / Fotolia.com)

Die für den bekannten spanischen Stierkampf eingesetzten Tiere sind sogenannte Kampfstiere. Sie werden in zahlreichen Züchtungsstationen Spaniens eigens zum Zweck der Stierkämpfe gezüchtet. Diese Rinderart wäre vermutlich ohne die speziellen Züchtungen bereits längst ausgestorben. Die Stiere wachsen allerdings, anders als viele andere Zuchttiere, artgerecht im Freiland auf großen Weiden auf. In einer großen Herde mitten im Grünen verbringen die Tiere ihre ersten Jahre. Dabei wird jedoch darauf geachtet, dass die Kampfrinder schon hier möglichst wenig Kontakt zu Menschen haben, damit sie sich nicht zu sehr an sie gewöhnen und beim Stierkampf überrascht sind. Das Ziel der Züchtung besteht darin, möglichst aggressive Stiere zu haben. Andernfalls fühlt sich die betreffende Züchtung meist blamiert, falls einer ihrer Bullen beim Stierkampf zu kampfesunlustig und ruhig auffällt. Sobald die Tiere ihr fünftes oder sechstes Lebensjahr erreichen, werden sie an eine der vielen Kampfarenen in Spanien verkauft. Sie haben bis zu diesem Zeitpunkt meist schon ein Gewicht zwischen 500 und 600 Kilo.

Anschließend folgt der Transport der Tiere. Dabei sind sie meist in engen Behältern eingequetscht und werden mit Transportern unter der heißen Sonne Spaniens zum Zielort gebracht. Danach folgt die direkte Vorbereitung auf den Stierkampf, wobei der Stier bereits so geschwächt wird, dass er schließlich für den Menschen in der Arena im Grunde keine Gefahr mehr darstellt. Dabei werden zunächst häufig die Stimmbänder des Tieres gekappt, damit er seine Schmerzen nicht herausschreien und die Zuschauer damit nicht erschrecken kann. Außerdem werden die Hörner des Stieres abgefeilt und gerundet, damit die Gefahr für den Menschen minimiert wird. Dabei leidet der Stier bereits oft Höllenqualen, da in den Hörnern empfindliche Nervenstränge vorhanden sind. Mit Pharmazeutika, Schläge, Blendungen, Durst, Dunkelheit und vielen anderen unglaublichen Folterungen wird der Stier anschließend immer weiter auf grausame Weise geschwächt. Auf die Beine werden vor dem Kampf Mittel aufgetragen, die starkes Brennen und Jucken verursachen, sodass der Stier in der Arena unruhig und panisch umherrennt. Dieses Verhalten wird von den Zuschauern als aggressiv-wild gedeutet und gefeiert. In Wirklichkeit ist der Stier allerdings bereits von Schmerzen und Panik gequält, wenn er in die Arena einläuft. Zudem ist er im Grunde kein Tier für Einzelkämpfe, da er normalerweise in der Herde lebt. Der natürliche Fluchtinstinkt wird durch die runde Arena unterbunden, der Stier bemerkt, dass er getrieben wird und keine andere Wahl hat, als den Menschen zu attackieren.

Stierkampfarena von Malaga (Bildquelle: © SeanPavonePhoto / Fotolia.com)

 

Der Ablauf eines Stierkampfes

Schon seit langer Zeit ist der Stier ein Symbol für Kraft und Stärke, was vermutlich ursprünglich den Reiz für den Menschen ausmachte, dieses Tier zu besiegen. Seit dem 18. Jahrhundert finden Stierkämpfe in Spanien statt und wurden mit der Zeit populäre Massen-Veranstaltungen. Der Ablauf hat sich in dieser langen Zeit jedoch kaum verändert.

Der eigentliche Stierkampf, der in Spanien „Corrida“ genannt wird, besteht aus drei Teilen. Vor dem Kampf laufen feierlich die Toreros ein. Damit sind jene fünf Männer gemeint, die beim Stierkampf eine Rolle spielen. Im ersten Teil reizt der Matador, was übersetzt so viel bedeutet wie „Töter“, den Stier mit einem großen, bunten Tuch. Die „picadores“, 2 Reiter mit Stechlanzen fügen dem Stier anschließend Verletzungen zu, sodass der Stier aufgrund der Verwundungen den Kopf nicht mehr heben kann. Im zweiten Teil rammen 2 Männer, sogenannte „banderillos“, dem Stier bunte Spieße in den Nacken. Der dritte Teil ist vermutlich der bekannteste, denn dabei sind lediglich der Matador und der Stier in der Arena. Der Stier ist bei diesem letzten Akt bereits schwer verletzt und erschöpft. Der Matador führt festgelegte Figuren aus, weshalb dieser Teil oft mit einem Tanz verglichen und mit Paso Doble Musik begleitet wird. In der einen Hand hält der Matador das rote Tuch, die sogenannte „Muleta“, und in der anderen den Degen, mit dem er dem Stier nach etwa 20 Minuten den Todesstoß gibt. Übrigens ist es ein Gerücht, dass der Stier durch die rote Farbe aggressiver wird, da Stiere Farben generell sehr schwach wahrnehmen und nahezu farbenblind sind. Falls das Publikum mit der Unterhaltung durch den Matador am Ende zufrieden ist, wird dem Stier häufig danach noch ein Ohr oder der Schwanz abgeschnitten. Diese „Trophäe“ wird dem Matador als ein Zeichen der Ehre nach dem Stierkampf überreicht.

Nur sehr selten verlässt ein Stier die Arena lebend. Falls sich das Tier im Stierkampf zu kampfesunlustig zeigt, wird es zwar hinausgeführt und ausgetauscht, kommt jedoch anschließend auf den Schlachthof. Fällt ein Stier jedoch durch außergewöhnlich mutiges und aggressives Verhalten auf, wird er in extrem seltenen Fällen begnadigt und zur Zucht eingesetzt.

Stier greift an (Bildquelle: © fresnel6 / Fotolia.com)

 

Die Kontroverse um den Stierkampf

In großen Teilen Spaniens ist der Stierkampf auch heute noch ein großes Thema. Riesige Arenen stehen in vielen Großstädten und spezielle Schulen sollen bereits Kinder zu Stierkämpfern ausbilden. Seit einiger Zeit werden allerdings Rufe von Stierkampfgegnern und Tierschützern immer lauter. Sie bringen vor, dass man die Stiere unnötig auf grausame Art quäle und auch die Gefahr für die Toreros und Zuschauer sehr hoch sei. Forderungen für eine Abschaffung solcher Stierkämpfe gibt es darum schon seit mehreren Jahren, sodass seit 2010 tatsächlich in Katalonien und Barcelona Stierkämpfe verboten sind. In großen Teilen Spaniens, vor allem in Madrid, ist der Stierkampf allerdings nach wie vor sehr präsent. Stierkampfbefürworter argumentieren, dass die Kämpfe eine Kunstform darstellen und zur kulturellen Identität Spaniens gehören. Zudem seien sie enorm wichtig für die Wirtschaft, da Stierkämpfe viele Arbeitsplätze und Geld bedeuten. Sie kämpfen darum dafür, dass das Ritual beibehalten wird.

 

Meine Meinung zum Stierkampf

Nach den Ergebnissen meiner Recherche war die Sache für mich selbst klar. Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Stiere in Form einer traditionellen Veranstaltung zum Spaß der Zuschauer systematisch abgeschlachtet werden. Um ehrlich zu sein hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ein solch grausames Ritual heutzutage überhaupt noch in dem Maße ausgeübt, geschweige denn gefeiert wird. Für mich ist es schockierend, dass dermaßen viele Menschen Spaß daran finden, einem wehrlosen, gehetzten, panischen Tier bei einem langsamen und qualvollen Tod zuzusehen. Schon beim Lesen musste ich einige Male schlucken. Wie können sich so viele Menschen dieses Spektakel anschauen wollen? Für mich ist es nicht begreifbar, was daran auch nur im Entferntesten faszinierend oder spannend sein soll. Der Stier hat von Anfang an keinen Ausweg, der Kampf ist absolut ungleich und kann darum im Grunde nicht einmal als ein solcher bezeichnet werden. Alles ist von Grund auf mit allen Mitteln darauf ausgelegt, dass der Stier stirbt und der Mensch feiern kann. Gratulation! Und wenn dann in einem Falle wie letzten Samstag keine der zahlreichen Vorsichtsmaßnahmen mehr hilft und der Stier einmal nicht nach den Regeln der Menschen spielt, ist das Drama groß. Die sinnlose Tradition geht dann noch einen Schritt weiter und will die komplette Blutlinie auslöschen, was für mich absolut nicht nachvollziehbar ist, da die Mutter des Stieres damit im Grunde gar nichts zu tun hat und dabei nur ein weiteres unschuldiges Lebewesen getötet wird. Versteht mich bitte nicht falsch: Es tut mir aufrichtig leid, dass dieser junge Mann sterben musste und mein Beileid gilt seiner gesamten Familie. Jedoch ist man meiner Meinung nach einfach selbst schuld, wenn man sich einem 500-Kilo-Bullen gegenüberstellt, diesen zu Tode quälen will und es anschließend schiefgeht. Tiere sind keine Computer, in denen man den perfekten Ablauf einer Veranstaltung speichern kann. Sie spielen nach ihren eigenen Regeln der Natur.

 

 

 

Bildquelle Beitragsbild: © Ekaterina Myshenko / Fotolia.com

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