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Gesundheit & Familie

Gesundheit 16. November 2022

Neurodermitis: Schub eindämmen & die richtige Therapie finden

interview zum Thema neurodermitis mit Experte dr. Peter weisenseel

Wie kann ich einen Neurodermitis Schub bestmöglich eindämmen? Was kann ich bei einem Schub konkret tun? Und welche modernen Therapien können mir bei meiner Neurodermitis Erkrankung helfen? 

Das sind Fragen, die sich viele Betroffene stellen. 

Wenn du unter deiner Neurodermitis leidest, hast du dir bestimmt auch schon solche Fragen gestellt. Vielleicht hast du bisher noch keine Antwort darauf bekommen. Dann bist du hier genau richtig. 

In diesem wichtigen Beitrag werden deine Fragen beantwortet. Und zwar von einem absoluten Experten auf dem Gebiet Neurodermitis. Dr. Peter Weisenseel vom Dermatologikum Hamburg hat sich die Zeit für ein Interview genommen und beantwortet wichtige Fragen zum Thema Neurodermitis und moderne Therapien. 

Nimm dir die Zeit, ließ dir dieses interessante Interview durch und greife dir die Informationen heraus, die dir weiterhelfen. 

 

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Neurodermitis: Neue (Therapie-)Möglichkeiten und Alltagstipps

 

Experten-Interview mit Dr. Peter Weisenseel

 

Neurodermitis – Was ist das eigentlich?

„Neurodermitis ist eine anlagebedingte, chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die durch viele innerliche und äußerliche Faktoren beeinflusst werden kann. Charakteristisch ist eine gerötete, entzündete Haut, die schnell trocken und rissig wird und stark juckt. Typischerweise sind Ellenbeugen, Kniekehlen, aber auch häufig der Kopfbereich und die Hände betroffen. Die Betroffenen selbst geben an, dass der Juckreiz, der zu einem Kreislauf aus Jucken, Kratzen, noch mehr Jucken führen kann, das größte Problem darstellt. Bei schweren Formen wird die Neurodermitis als sog. Systemerkrankung angesehen, d. h. die Entzündung betrifft nicht nur die Haut. Betroffene leiden auch gehäuft unter allergischem Asthma oder Heuschnupfen.“

 

Was sollten Betroffene im Alltag beachten, um einen Neurodermitis Schub so weit wie möglich einzudämmen?

„Bei allen Formen der Neurodermitis stellen Hautschutz und -pflege die Basis der Therapie dar. Mögliche Allergien und Unverträglichkeiten müssen gesucht und gemieden werden. Hautreizende Faktoren wie Schurwolle, zu heißes, zu langes Duschen, entfettende Seifen       u. a. sollten minimiert werden. Umschriebene Hautentzündungen können häufig gut mit rezeptpflichtigen Salben/Cremes mit oder ohne Cortison behandelt werden. Um einen Neurodermitis Schub zu vermeiden, sollten diese Wirkstoffe an den empfindlichen Stellen regelmäßig, z. B. 2x/Woche verwendet werden, auch wenn die Haut gut aussieht. Stichwort „proaktive Therapie“, also behandeln, bevor der Schub da ist.“

 

Was können Betroffene tun, um im Schub das Hautbild zu verbessern?

„Im Schub sind nach wie vor Kortisoncremes hilfreich. Die versuchen wir allerdings nur noch so kurz wie möglich einzusetzen. Wenn sich der Schub schon etwas gebessert hat, kommen kortisonfreie Cremes zu Anwendung, die auch entzündungshemmend wirken. Das sind sogenannte Calcineurininhibitoren. Es gibt hier zwei Wirkstoffe, die seit etwa 15 Jahren weltweit eingesetzt werden und als sehr sicher gelten. Sie sind nicht ganz so stark wirksam wie Kortison, aber sie reichen oft aus, wenn sich die Haut gebessert hat, um das Hautbild zu stabilisieren. Bei regelmäßiger Anwendung kann man dadurch den ein oder anderen Schub unterdrücken. 

Bei Patient*innen, die sehr stark betroffen sind, reichen Cremes normalerweise nicht, die muss man dann innerlich behandeln.“

 

Welche Therapien gibt es für die mittelschwer bis schwer ausgeprägte Neurodermitis?

„Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis kommen innerliche Behandlungen zum Einsatz. In der Therapielandschaft hat sich in letzter Zeit viel getan: Sogenannte Biologika (Spritzen) oder JAK-Hemmer (Tabletten) werden heute z. B. in der Langzeittherapie eingesetzt. Im Vergleich zu klassischen Immunsuppressiva oder Kortisontabletten ist die Verträglichkeit in der längeren Anwendung deutlich besser. Die Präparate können schwerer betroffenen Patient*innen helfen, die Erkrankung inkl. des Juckreizes wieder so weit zurückzufahren, dass die Neurodermitis und deren Therapie keinen großen Raum im Alltag mehr einnimmt. Welche Therapie erfolgt, sollte am besten in enger Absprache mit der Ärztin bzw. dem Arzt herausgefunden werden.“

 

Was halten Sie von Lichttherapie oder Neurodermitis-Schulungen?

„Die Schulungen erfreuen sich großer Nachfrage. Sie werden vor allem für Eltern und Kinder angeboten. Auch Erwachsene, die Neurodermitis erst im höheren Lebensalter entwickeln, lassen sich manchmal schulen. Das finde ich sehr sinnvoll.

Es gibt verschiedene Lichttherapien. Etabliert in der Schulmedizin ist die Bestrahlung mit UV-Licht. Viele Praxen und Krankenhäuser bieten das an. Manchen Betroffenen hilft das gut, bei anderen reizt die Behandlung die Haut, da muss man ein bisschen vorsichtig sein. Einen Versuch ist es aber wert. Zusätzlich gibt es UV-freie Lichttherapien. Sie arbeiten mit einem Blaulichtanteil, der eine gewisse biologische Wirkung auf die Haut haben soll. Diese Behandlung hat sich allerdings noch nicht ganz durchgesetzt.“

 

Gibt es noch weitere Möglichkeiten?

„Patient*innen fragen auch nach Homöopathie oder traditioneller chinesischer Medizin, das ist auch legitim. Ich sage immer - wer heilt, hat recht. Als Zusatz oder bei leichten Formen hilft das manchmal gut. Bei mittelschweren bis schweren Formen habe ich aber selten gesehen, dass Betroffene wirklich davon profitiert haben.

Manche Betroffene machen auch eine Ernährungsschulung, was sinnvoll sein kann oder fahren zur Kur. All das sind Dinge, die man zusätzlich ausprobieren kann. Aber ich bin als Schulmediziner sehr froh, dass wir gerade in den letzten Jahren die Spritzen- und Tablettentherapien so weit entwickelt haben, dass wir vielen Betroffenen, bei denen wir uns früher sehr schwergetan haben, heute bereits mit zugelassenen Medikamenten gut helfen können. Das sind gute Nachrichten. Vor allem auch für Patient*innen, die gefühlt schon alles ausprobiert haben. Selbst für vermeintlich schwere Fälle gibt es heute gute Lösungswege. Ein (erneutes) Gespräch mit dem eigenen Dermatologen oder der Dermatologin ist da ein guter erster Schritt in ein Leben, das nicht mehr von der Neurodermitis bestimmt wird.“

 

Ein hilfreicher Tipp: 

Das Online-Portal www.neurodermitis-wen-juckts.de richtet sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte. Neben Informationen rund um Neurodermitis werden Betroffene dabei unterstützt, ihre behandlungsziele selbst zu identifizieren und zu formulieren. Interaktive Tools wie der Neurodermitis-Alltags-Check sowie der Arztterminplaner helfen dabei. Das Ziel ist klar: Mit möglichst wenigen Einschränkungen durch die Hauterkrankung leben können.

 

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Ich bedanke mich sehr herzlich bei Dr. Peter Weisenseel für seine Zeit und die hilfreichen Informationen, die er hier im Interview weitergibt. Ich bin mir sicher, dass wir damit einen kleinen Beitrag zur Unterstützung von Menschen mit Neurodermitis leisten. 

 

Wenn du selbst noch weitere Fragen oder Anregungen zum Thema hast, schreibe gerne in die Kommentare oder melde dich bei mir. Bei Interesse erstelle ich gerne weitere Beiträge zu diesem Thema.

 

Alles Liebe,

Deine Maike

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