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28. Oktober 2026

Geschäft mit der Angst: Wer Druck macht, will etwas

Geschäft mit der Angst: Wer Druck macht, will etwas

Wenn dir jemand Angst macht, stell dir eine einzige Frage: Was soll ich gleich danach tun?

Meistens kommt die Antwort kurz nach der Angst. Unterschreib das. Entscheide dich jetzt. Stimm dem zu. Gib das Geld frei.

Lothar Hirneise begleitet seit vielen Jahren Menschen, die eine Krebsdiagnose bekommen haben. Als die Corona-Zeit begann, hat er dort Muster wiedererkannt, die er aus den Arztgesprächen seiner Begleiteten kannte: erst eine große Bedrohung, dann enormer Zeitdruck, dann eine einzige angeblich richtige Lösung. Wer nachfragt, gilt als schwierig.

Darum geht es hier. Nicht darum, wer damals recht hatte. Sondern darum, was Angst mit deinen Entscheidungen macht und wie du sie trotzdem selbst triffst.

Ist Angst nicht eigentlich etwas Gutes?

Ja. Ohne Angst würde kaum ein Kind erwachsen werden.

Angst hält uns vom hohen Ast ab, vom zu schnellen Auto, vom dünnen Eis. Sie ist ein Warnsystem, und sie arbeitet schnell. Genau das macht sie aber auch so brauchbar für andere.

Hirneise beschreibt es so: Unter Angst rutscht die Energie im Kopf weg von dem Teil, der logisch sortiert, hin zu dem Teil, in dem es chaotischer zugeht. Du wirst nicht dümmer. Du kommst nur schlechter an deine eigenen Argumente heran.

Ob sich das im Gehirn genau so abbildet, wie er es schildert, ist seine Deutung und kein Nachweis. Den Effekt kennst du aber vermutlich aus dem Alltag: Wenn dein Herz rast, triffst du andere Entscheidungen als am nächsten Morgen beim Kaffee.

Und wer das weiß, kann es nutzen.

Warum „die Wissenschaft“ kein Beweis ist

In der Mathematik ist eins und eins seit Jahrhunderten zwei. In der Medizin ändert sich das, was als gesichert gilt, immer wieder.

Hirneise nennt dafür Beispiele, die heute absurd klingen. Heroin wurde von einem großen deutschen Pharmaunternehmen über Jahrzehnte hergestellt und war lange in Apotheken als Mittel gegen Erkältungsbeschwerden zu haben. Kokain war ebenfalls über Jahre frei verkäuflich. Arsen galt als normales Medikament, Quecksilber auch. Heute nehmen wir ein Fieberthermometer mit Quecksilber aus dem Kinderzimmer, weil es zerbrechen könnte.

Noch deutlicher wird es bei einem Beispiel, das Frauen direkt betrifft. Über lange Zeit wurde der Kopfumfang gemessen und daraus abgeleitet, Frauen seien weniger begabt als Männer. Das galt als wissenschaftlich. Es war Unsinn, und es hatte Folgen bis in die Gesetze hinein. In der Schweiz durften Frauen erst in den 1970er Jahren wählen.

Der Punkt ist nicht, dass Forschung wertlos wäre. Der Punkt ist: Es gibt selten nur eine Stimme.

Auch während der Pandemie gab es Professorinnen und Professoren an Universitäten im In- und Ausland, die widersprochen haben, und zwar nicht aus der esoterischen Ecke, sondern aus dem ganz normalen Wissenschaftsbetrieb. Trotzdem wurde öffentlich so getan, als gäbe es eine einzige Haltung, hinter der sich alle versammeln.

Wenn dir also jemand sagt, die Wissenschaft habe entschieden, darfst du ruhig nachfragen: Welche Studie, welche Gruppe, und wer sieht es anders?

Drei Ärzte, drei Meinungen

Dasselbe erlebst du im Kleinen beim Arzt.

Geh mit demselben Symptom zu drei Praxen, und du kommst oft mit drei Einschätzungen nach Hause. Manchmal mit vier, weil eine Ärztin selbst zwei Möglichkeiten nebeneinanderstellt. Und zu jeder Einschätzung gehört dann auch noch ein eigener Behandlungsvorschlag.

Das ist kein Skandal. Das ist Medizin.

Problematisch wird es erst, wenn dir gesagt wird, es gäbe nur diesen einen Weg und keine Minute Zeit zum Nachdenken. Hirneise kritisiert in diesem Zusammenhang auch die festen Leitlinien in der Krebsmedizin: Ärztinnen und Ärzte lernen viele Jahre, dürfen am Ende aber kaum noch individuell entscheiden, weil Vorgaben und Kostendruck den Rahmen setzen. Ob das in jedem Fall so eng ist, lässt sich von außen schwer beurteilen. Dass Patientinnen das als Gleichmacherei erleben, berichten viele.

Wichtig: Dieser Text ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung. Wenn du Beschwerden hast, die bleiben, lass sie ärztlich abklären. Eine zweite Meinung einzuholen bedeutet nicht, Medizin abzulehnen, sondern eine Entscheidung besser zu verstehen.

Warum alles sofort passieren soll

Sofort impfen. Sofort operieren. Sofort unterschreiben.

Zeitdruck ist das zweite Werkzeug nach der Angst, und er wirkt zuverlässig. Wer keine Zeit zum Nachdenken hat, nimmt das Angebot, das vor ihm liegt.

Hirneise sieht einen einfachen Grund dafür, dass der Druck in den letzten Jahren größer geworden ist: Menschen informieren sich heute woanders. Videos außerhalb der großen Sender erreichen Millionen. Ein informierter Patient stellt Fragen, holt eine zweite Meinung ein und entscheidet vielleicht anders. Das kostet, und zwar auf beiden Seiten des Tisches.

Sein Satz dazu, sinngemäß zitiert:

Information ist eine Holschuld, keine Bringschuld. Es ist meine Pflicht, mich zu informieren, und nicht, mich informieren zu lassen.

Das klingt streng. Gemeint ist etwas Einfaches: Niemand kommt zu dir nach Hause und legt dir alle Seiten einer Frage auf den Tisch. Diesen Teil musst du selbst übernehmen.

Und ja, das kostet Zeit, die du als Mutter oder zwischen zwei Schichten oft nicht hast. Deshalb lohnt es, die Energie auf die wenigen großen Entscheidungen zu legen statt auf jede Schlagzeile.

Warum wir uns nicht trauen, Fragen zu stellen

Viele sagen heute rückblickend, sie hätten damals nichts gefragt. Nicht, weil sie überzeugt waren. Sondern weil sie sich nicht getraut haben.

Der Grund liegt tiefer als Politik. Wir wollen dazugehören. Wir wollen gemocht werden, von der Familie, von Kolleginnen, sogar von Fremden, die wir nie wiedersehen. Anecken fühlt sich an wie Gefahr.

Früher hat man abends beim Bier gestritten und sich trotzdem gemocht. Hirneise beschreibt, dass sich das ab 2020 verschoben hat: Wer anderer Meinung war, war plötzlich nicht mehr nur anderer Meinung, sondern Gegner.

Und dieses Muster kennt er aus den Arztzimmern schon länger. Menschen haben ihm erzählt, dass sie angeschrien oder aus der Praxis geworfen wurden, weil sie eine Operation hinterfragt oder eine Therapie abgelehnt haben.

Corona ist aus dem Alltag verschwunden. Die Härte im Umgang miteinander ist geblieben.

Das ist der Teil, den du tatsächlich beeinflussen kannst. Nicht die große Politik. Aber den Ton am Küchentisch, im Elternchat, im Kollegenkreis.

Erst die Angst, dann die Rechnung

Hirneise sieht dasselbe Muster in der Politik, und sein Satz dazu ist deutlich: Wenn Politiker Angst machen, wollen sie in der Regel etwas von uns, und meistens ist es unser Geld.

Er erinnert daran, dass die Formel vom Russen vor der Tür schon in den 1970er und 1980er Jahren im Umlauf war. Heute begleitet Kriegsangst die Debatte über riesige Schuldenpakete und Rüstungsausgaben, während Geld für soziale Aufgaben fehlt. Auch das US-Militärbudget nennt er als Beispiel: Es ist nur zu rechtfertigen, solange die Bevölkerung glaubt, sie brauche diesen Schutz.

Das ist seine politische Einschätzung, keine Tatsachenfeststellung. Du musst sie nicht teilen.

Das Muster darunter kannst du trotzdem prüfen, bei jeder Seite und bei jedem Thema. Erst wird die Bedrohung groß gemacht. Dann kommt die Forderung.

Ob eine neue Virusangst noch einmal so funktionieren würde, bezweifelt Hirneise. Angst an sich funktioniert aus seiner Sicht weiterhin, nur mit anderen Themen.

Woran du merkst, dass mit deiner Angst gearbeitet wird

Es gibt ein paar Anzeichen, die ziemlich verlässlich sind:

  • Die Botschaft kommt in Dauerschleife und überall fast wortgleich.
  • Es gibt angeblich nur eine vernünftige Entscheidung.
  • Du sollst sofort handeln, Bedenkzeit wird als unverantwortlich dargestellt.
  • Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern abgewertet.
  • Am Ende steht immer etwas, das dich etwas kostet: Geld, eine Unterschrift, deine Zustimmung.

Je mehr davon zusammenkommt, desto mehr lohnt sich eine Pause.

Das gilt übrigens auch für Angebote, die sich alternativ, natürlich oder spirituell nennen. Auch dort wird mit Angst verkauft, mit Schadstoffen, Strahlung und drohenden Katastrophen. Das Prinzip bleibt dasselbe, egal aus welcher Richtung es kommt.

Was du beim nächsten Mal konkret tun kannst

Mach die Nachrichten aus, bevor du eine wichtige Entscheidung triffst. Nicht für immer. Nur für diesen einen Abend.

Schreib dir deine Fragen vorher auf, bevor du in ein Gespräch gehst, in dem du unter Druck stehen wirst. Im Gespräch selbst fallen sie dir nicht mehr ein, das ist normal.

Frag ausdrücklich nach, wie viel Zeit du wirklich hast. Nicht: Muss ich mich jetzt entscheiden? Sondern: Was passiert konkret, wenn ich in einer Woche entscheide? Die Antwort darauf sagt dir viel über die Dringlichkeit und über dein Gegenüber.

Hol dir eine zweite Meinung, wenn es um etwas geht, das dein Leben verändert. Bei gesundheitlichen Fragen hast du dieses Recht, und gute Ärztinnen nehmen dir das nicht übel.

Und wenn dir das Herz klopft und du spürst, dass du gerade nicht klar denkst, dann sag genau das. Ein Satz reicht: Ich möchte das in Ruhe überlegen und melde mich morgen.

Wer es gut mit dir meint, kann damit leben.

Grundlage dieses Beitrags ist das Video Wenn Politiker Angst machen, wollen sie unser Geld.



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