#Hashimoto: Leben ohne L-Thyroxin I Die Folgen meines Versuchs

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Es ist eine Weile her, dass ich meinen eigentlich vorerst letzten Blogpost zu meinem Versuch, ohne L-Thyroxin zu leben, geschrieben habe. Heute muss ich nun doch nochmal einen Beitrag zu meinem Versuch schreiben. Denn es gibt Neuigkeiten.

Eigentlich hatte ich mit dem Versuch, ohne L-Thyroxin zu leben, abgeschlossen. Leben ohne L-Thyroxin? Für mich nicht möglich. Und keine Sorge, es wird auch erstmal keinen neuen Versuch geben. Aber es gibt nach ein, zwei Besprechungen und Untersuchungen bei meiner Ärztin Neuigkeiten, die wahrscheinlich mit dem Versuch zusammenhängen und die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Und eins kann ich euch schon verraten: Es sind gute Neuigkeiten!

 

 

Nach dem Versuch

Ich habe euch ja berichtet, dass ich wieder das L-Thyroxin 75 genommen und dass ich damit auch meinen Haarausfall direkt wieder in den Griff bekommen habe. Ich war aber, obwohl ich das eigentlich nicht sein wollte, schon ein kleines bisschen enttäuscht, ehrlich gesagt. Vor allem, da ich dachte, mein Körper hat mehr drauf. Ich dachte, er könnte mehr leisten. Diese Enttäuschung verflog bereits ein bisschen nachdem sich das mit dem Haarausfall wieder eingestellt hatte. Denn ich war einfach froh, dass ich meine Haare wieder hatte.

Nachdem ich nun aber vor einigen Tagen nochmals eine Untersuchung bei meiner Ärztin hatte, muss ich sagen, dass meine Enttäuschung völlig verflogen ist. Und das hat einen Grund, einen guten Grund. Bevor ich euch aber verrate, was da rauskam und wie es mit meinem Hashimoto Leben weitergeht, möchte ich euch noch von meinen letzten Monaten mit dem L-Thyroxin 75, den Untersuchungen und meinen Blutwerten erzählen.

 

"In den Monaten nach meinem Versuch ging es mir mit L-Thyroxin 75 gut."

 

L-Thyroxin 75, Untersuchungen & Blutwerte

Seit Beendigung meines Versuchs nehme ich ja wieder L-Thyroxin 75 und habe das bis jetzt auch weiterhin so gemacht.

 

Blutwerte

Nach ein paar Wochen habe ich dann wieder Blut abnehmen lassen, um zu gucken, ob sich meine Werte wieder verbessert haben. Naja, eigentlich ging es nur um meinen TSH-Wert, der am Ende des Versuchs leider sehr schlecht war, denn meine beiden anderen Schilddrüsenwerte waren ja noch im Normalbereich. Und was soll ich sagen, mein TSH-Wert war gleich deutlich niedriger als noch im Versuch, ohne L-Thyroxin zu leben. Leider weiß ich nicht mehr den genauen Wert, aber ich glaube er war um die 4. Er ist also deutlich gesunken. Ein sehr gutes Zeichen. Der TSH-Wert war zwar noch nicht wieder im Normalbereich, aber die höhere Dosis L-Thyroxin hat gleich geholfen und den Wert in Richtung Normalbereich sinken lassen. Als ich den Wert mit meiner Ärztin besprochen habe, meinte sie, ich könne nochmal weiterhin die Dosis von 75 einnehmen und wir würden schauen, ob der Wert weiter sinkt oder ob ich doch wieder eine höhere Dosis brauche. Erstmal beließen wir es also bei L-Thyroxin 75.

Jetzt vor einigen Tagen hatte ich nochmal eine Blutabnahme. Von der Blutabnahme davor bis zu dieser ging es mir gut. Ich konnte aber dennoch überhaupt nicht sagen, ob sich der TSH-Wert verbessert hatte oder nicht. Das blieb eine Überraschung. Letztendlich war es leider eine böse Überraschung. Naja, es ist überhaupt nicht dramatisch, aber nach der letzten Blutabnahme vor einigen Tagen kam heraus, dass sich der Wert leider fast gar nicht verbessert hat. Er ist nur minimal gesunken, aber fast auf dem gleichen Stand wie zuvor. Und was das jetzt für mich heißt, könnt ihr euch sicher denken.

 

Untersuchung & Besprechung beim Arzt

Meine Ärztin rief mich an und sagte mir, dass sich der Wert leider nicht sehr verbessert hat, sondern so gut wie stehen blieb. Da war ich erstmal etwas enttäuscht, wenn ich ehrlich bin. Das heißt für mich jetzt nämlich: Meine L-Thyroxin Dosis muss auf 100 Mikrogramm angehoben werden. Andererseits habe ich es total satt, ständig von irgendwas enttäuscht zu sein und will einfach weitermachen und vor allem das Beste draus machen. Und mal ehrlich, ob ich jetzt eine Tablette mit 75 μg oder mit 100 μg nehme, ist ja eigentlich auch egal, es bleibt eine Tablette, nicht mehr und nicht weniger.

Ich hatte aber nicht nur eine erneute Blutabnahme bei meiner Ärztin, sondern auch eine Ultraschalluntersuchung meiner Schilddrüse. Und hier komme ich jetzt zu den guten Neuigkeiten, die ich angekündigt hatte.

 

 

Die Folgen I positiv & negativ

Ja, ich verrate euch jetzt die guten Neuigkeiten, die mich froh stimmen und meine Enttäuschung völlig verbannt haben. Ich möchte aber hier auch auf andere Folgen meines Versuchs, ohne L-Thyroxin zu leben, eingehen – positive wie negative. Alles hat ja bekanntlich immer zwei Seiten.

 

"Die positiven Folgen meines Versuchs überwiegen für mich."

 

Die positiven Folgen

Zuerst zu der großen positiven Neuigkeit. Ich hatte also die Ultraschalluntersuchung und meine Ärztin hat dabei festgestellt, dass sich meine Schilddrüse tatsächlich ein Stück weit regenerieren konnte. Hammer! Ich konnte es gar nicht fassen und meine Ärztin auch nicht wirklich. Die Struktur meiner Schilddrüse hat sich verbessert, zwar nur auf der einen Seite, aber das ist mir egal. Sie hat sich verbessert und das ist für mich unglaublich toll! Das heißt, ich habe es geschafft, durch den Versuch, aber auch durch meine umgestellte Lebensweise (weniger Stress, noch bessere Ernährung, etc.), dass meine Schilddrüse ein bisschen repariert wurde und sich regeneriert hat. Diese Nachricht feiere ich so heftig, Leute! Ich konnte mit dem Versuch also auch etwas Gutes erreichen und mein Körper ist doch nicht so schwach, wie ich nach dem Scheitern des Versuchs dachte. Das hat definitiv jegliche Enttäuschung oder Traurigkeit darüber, dass das Leben ohne L-Thyroxin nicht funktioniert hat, gelöscht. Und ich kann nun trotz Erhöhung der L-Thyroxin Dosis richtig positiv weitermachen. Mein Körper hat mir bewiesen, zu was er im Stande ist und ich freue mich einfach so sehr darüber. Ich möchte mir jetzt nicht zu viel Hoffnung machen und auch nicht euch da draußen, denen es genauso geht, aber meine Ärztin meinte sogar, dass diese Verbesserung auch ein Zeichen dafür sein kann, dass sich meine Schilddrüse auch in Zukunft noch weiterhin verbessern kann, da ich noch relativ jung bin und sich eventuell auch nach einer Schwangerschaft einiges verändern kann. Wie gesagt, nicht zu viel Hoffnung reinstecken, aber deshalb definitiv positiv in die Zukunft gucken. So sehe ich das zumindest.

Als positive Folge reicht mir das persönlich ja eigentlich schon aus. Aber es gibt dennoch das ein oder andere Positive, das ich aus meinem Versuch ziehe. Das ist zum einen die Tatsache, dass ich mein Bewusstsein für Hashimoto und für alles um die Krankheit herum geschärft habe. Ich habe mir überhaupt mal richtig Gedanken zu meiner Erkrankung und zu all den Themen, die dazugehören, gemacht. Und das finde ich super. So habe ich mir selbst mehr Kontrolle über meinen Körper und mein Leben verschafft.

Zum anderen, und das hängt mit dem vorherigen Punkt zusammen, habe ich mega viel über Hashimoto Thyreoiditis und über meine Form der Krankheit gelernt. Ich habe mich die ganzen Wochen und Monate über sehr viel informiert, vieles gelesen, einiges angeschaut, mich mit anderen Betroffenen unterhalten und so weiter und so fort. Dadurch habe ich mich was Hashimoto betrifft extrem weitergebildet. Und das finde ich super wichtig. Es gibt nämlich so viel, was Betroffene nicht wissen, es gibt so viel, was nicht bei allen gleich ist, es gibt zudem ständig Fortschritte in der Forschung, und, und, und. All das sollte man einfach wissen, wenn man betroffen ist. Durch das Weiterbilden können wir Dinge ausprobieren (natürlich immer unter ärztlicher Aufsicht), die uns guttun, können uns besser mit anderen austauschen, unsere Bedürfnisse und Wünsche beim Arzt besser durchsetzen und schaffen es letztendlich, die eigene Krankheit selbst besser unter Kontrolle zu haben. Und das ist meiner Meinung nach total wichtig, wenn man selbstbestimmt und glücklich leben möchte.

 

"Die negativen Folgen meines Versuchs sehe ich nicht so schlimm."

 

Die negativen Folgen

Ich will allerdings nicht alles schönreden, ganz klar. Es gibt leider auch einige nicht so erfreuliche Dinge nach meinem gescheiterten Versuch, ohne L-Thyroxin zu leben. Allerdings sehe ich sie nicht als zu schlimm oder negativ an, aber vorenthalten möchte ich sie euch auch nicht. Die größte negative Folge nach meinem Versuch ist die Tatsache, dass ich nun mit den Schilddrüsenhormontabletten wieder richtig eingestellt werden muss. Mein TSH-Wert muss wieder deutlich gesenkt werden und eine richtige Einstellung mit den Tabletten dauert nun eben ein bisschen. Aber wie gesagt, halb so schlimm, denn der Wert ist ja recht schnell um ein großes Stück gesunken und meine Ärztin meinte auch schon zu Beginn des Versuchs, dass die richtige Einstellung nicht mehr so lange dauern würde wie sie es ganz am Anfang der Erkrankung tat. Also bin ich hier sehr zuversichtlich.

Was mich auch ein bisschen genervt hat, war meine Haut. Ich hatte zwar schon vor dem Versuch plötzlich schlechte Haut bekommen, aber mit Durchführung des Versuchs und niedrigerer L-Thyroxin Dosis ist sie schlechter geworden. Mit den letzten Monaten, in denen ich die Dosis schon wieder angehoben hatte (also mit der Dosis L-Thyroxin 75), verbesserte sich meine Haut wieder stark. Deshalb habe ich auch gemerkt, dass meine vorherige schlechte Haut etwas mit dem Versuch zu tun hatte. Wie gesagt, es war eine richtig nervige Folge meines Versuchs, da ich richtig Akne bekam, aber, da meine Haut wieder auf dem Weg der Besserung ist, bin ich auch in dieser Hinsicht positiv gestimmt.

Naja, und was ihr ja auch als negative Folge meines Versuchs, ohne L-Thyroxin zu leben, mitbekommen habt, ist die Sache mit dem Haarausfall. Der hatte sich ja aber gleich mit Erhöhung der L-Thyroxin Dosis wieder eingestellt, aber nun habe ich total viele nervige Babyhaare auf dem Kopf. Aber ich will nicht meckern. Ich bin ja schließlich froh, dass die Haare wieder gekommen sind und von daher wird alles gut.

 

Ich möchte mich jetzt nach meinem Versuch, ohne L-Thyroxin zu leben, vollkommen auf die positiven Folgen konzentrieren und damit optimistisch in die Zukunft schauen. Und ob sich bei meiner Schilddrüse nochmal was tut, ob es nochmal weitere Verbesserungen gibt, werde ich sehen – und euch dann natürlich direkt hier auf meinem Lifestyle Blog Maikikii davon berichten.

Norbert
02.05.2018 - 10:08
vielen Dank das du uns davon erzählst. Ich nehme auch seid Jahren eine 100 Dosis. Meine Versuche die Dosis sehr langsam zu reduzieren, scheiterten daran dass ich mich mehr und mehr psychisch sehr schlecht fühlte. Körperlich zeigen sich bei mir eher wenig Symptome. Ich versuchte es immer wieder mal, auch mal ohne Arzt, weil ich nicht wahrhaben wollte, das ich wegen L-Thyroxin in eine Depression rutschen könnte. Ohne dass sich die Schilddrüse regeneriert, funktioniert es wohl einfach nicht. Seit 4 Jahren habe ich nun meine Ernährung von fleischlos auf vegan umgestellt und habe endlich die Ursache gefunden für meine Verdauungsbeschwerden. Es ist der Kaffee, den ich nun komplett eingestellt habe. Vielleicht hilft das ja gegen diese Autoimmunerkrankung? So warte ich noch auf den richtigen Zeitpunkt, wo mir das Leben ein bisschen Ruhe gönnt. Demnächst werde ich den Arbeitsplatz wechseln, was sich nicht gerade als günstigen Zeitpunkt für ein derartiges Experiment eignet, die Gefahr wegen einer Depression alles zu verbocken ist einfach zu groß. Auf jeden Fall werde ich den Versuch noch viel langsamer angehen. Ich werde mich quasi anschleichen wie eine Raubkatze :-) LG, und dir alles gute.
max
07.05.2018 - 09:40
Toll, dass Dir es wieder so gut geht und dass sich deine Schilddrüse auch ein wenig erholt hat. Und wahrscheinlich ist es auch tatsächlich egal, ob man die 75er oder die 100er-Dosis L-Thyroxin nimmt. Pille ist Pille, und entscheidend ist, ob man sich wohlfühlt. Hashimoto-Patienten brauchen allerdings nicht nur ärztliche Aufsicht, sondern einen Arzt, der auch wirklich Ahnung von der Thematik hat. Einen, der nicht nur Pillen verschreiben (und abrechnen!) will und seine Patienten möglichst bald und möglichst häufig wieder sehen will. Sondern sie brauchen einen Mediziner, der auch weiß, dass es inzwischen neben L-Thyroxin auch andere, ganzheitliche Ansätze zur Behandlung von Hashimoto gibt. Dass jeder Hashimoto-Patient L-Thyroxin lebenslang nehmen muss, ist nämlich eine Lüge, die von der Pharmaindustrie und einigen Ärzten gerne verbreitet wird. Wer will schon sein eigenes Geschäftsmodell untergraben. Es gibt inzwischen genügend Beispiele, die die These vom unheilbaren Hashimoto-Patienten widerlegen. Leben ohne L-Thyroxin funktioniert nicht bei allen Hashis, aber bei einigen.
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